Schulreform

Wie viele Experimente erträgt unsere Volksschule?
Die Schulreform, insbesondere die Umsetzung der sonderpädagogischen Massnahmen und die Umstellung auf Mehrjahrgangsklassen sind kritisch zu hinterfragen.
Jedes Schulhaus erstellt z.B. in Adliswil individuell ein eigenes Profil. Die Lehrerschaft kann in Zusammenarbeit mit der federführenden Schulleitung bestimmen, welches Klassensystem zum Zuge kommt. Welchen Sinn macht dieses wettbewerbsartige Vorgehen unter den Schulhäusern? Die Eltern und Kinder haben so oder so nicht die Wahl, welches Klassensystem also welches Schulhaus ihnen am besten zusagt. Sie werden einfach eingeteilt. Also macht es auch keinen Sinn, dass jedes Schulhaus ein eigenes Profil mühsam erarbeitet und präsentiert. Es ist vielmehr verwirrend für Eltern und Kinder. Eine einheitliche Handhabung würde für Klarheit sorgen. Die Mehrjahrgangsklassensysteme ermöglichen keine Klasseneinheitsbildung. Nach einem Jahr wird die Klasse jeweils wieder auseinander gerissen. Einige Kinder gehen in eine nächst höherer Mehrklasse und neue Kinder kommen hinzu. Die Lehrerschaft muss von Jahr zu Jahr immer wieder von neuem die Klassenordnung organisieren und durchsetzen, wo sie vorher im zweiten und dritten Jahr profitieren und diese Energie und Zeit in anderen Bereichen einfliessen lassen konnte. Die Integration der Kinder aus den Kleinklassen in die Regelklassen erweisst sich eher als erschwerend. Nicht selten findet ein Unterricht im Unterricht statt, falls Heilpädagogen vorhanden sind. Oft sind sie eben doch abgesondert und nicht im sozialen Netz der Klasse integriert, sei es im Unterricht, Sport oder auf dem Pausenplatz. In Kleinklassen würden sich diese verhaltensauffälligen Kinder bestimmt wohler fühlen und könnten gezielter gefördert werden mit dem Ziel, sie in die Regelklasse einzufügen. Im Gespräch mit Lehrpersonen hat sich gezeigt, dass es sich lohnen könnte, wenn sich die Schulpflege wieder mehr Zeit für Schulbesuche nehmen würde. In einem Klassenbesuch pro Jahr erfährt man nicht viel vom Schulbetrieb und muss sich auf Berichte der Schulleitungen und Lehrpersonen abstützen. Unangemeldete Besuche könnten interessante Informationen liefern. In dieser Beziehung setze ich einige Erwartungen an die neue Schulpflege, die ende April neu gewählt wird. Die Schulpflege ist gefordert, die Nachhaltigkeit der Mehrklassen und die Integration der Kleinklassen in die Regelklasse zu hinterfragen.
Wie viele Experimente ertragen die Lehrpersonen, Kinder und Eltern noch?
Hanspeter Clesle
EVP Gemeinderat Adliswil